Tagebucheintrag, Montag 28.10.2019

Im Regen laufe ich auf der mit Feuerwerkskörper übersäten Queen´s Street. Um zum Hindu Tempel zu gelangen nehme ich Anlauf und springe über große Pfütze hinüber. In einem leerstehenden offenen Gebäude, das einer Bühne finde ich einen trockenen Platz zum Zeichnen.
Ich beobachte beim auspacken meiner Stifte, wie sich ein Paar von Hunden sich zärtlich gegenseitig das Fell pflegt. Der Boden unter mir ist mit Ziegenköttel und Urinlachen bedeckt. Um mich herum sitz eine Ziegenherde.
Nach kurzer Zeit werde ich von den ersten Kindern entdeckt. Gelangweilt beginnen sie permanent mein Papier anzufassen und mich wiederholend nach meinem Namen und meiner Herkunft zu Fragen. Dann reagiere ich nicht mehr und sie beginnen zu schreien.
Haben die Kinder kein Spielzeug, Bücher oder andere Dinge haben mit der sie ihre Freizeit verbringen können, anstatt täglich auf der Straße sich zu langweilen?
Ein Motorradfahrer hält spontan in der Nähe von mir an und fragt unvermittelt die üblichen Fragen an mich, die ich ihm geduldig beantworte. Anschließend möchte er wissen, wo sich meine Unterkunft befindet und wie viel ich dafür bezahle. Muss ich das beantworten?

Boooom! Plötzlich explodiert eine Feuerwerkskörper in meiner unmittelbaren Nähe. Der große leere Raum potenziert die Explosion um ein vielfaches. Erregt rufe ich den Kindern zu damit aufzuhören. Boooom! Boooom! Boooom!
Die auf dem Vorplatz des Hindu Tempels herumlungerten Jugendlichen werden auf mich Aufmerksam und stellen sich Halbkreis um mich herum. Es dauert nicht lange bis auch sie über die entstehende abstrakte Zeichnung lachen. „How old are you?“ fragen sie ironisch. Wie in einem Tunnelblick zeichne ich um meine Arbeit zu beenden und die unangenehme Situation zu verlassen kann.

Am Nachmittag regnet es immer noch in strömen. Erneut sitze ich auf der Queen´s Street bin am Zeichnen. Ein alter Mann bleibt neben mir stehen. Säuselnd singt er ein Lied. Dann erscheint ein Betrunkener, der auf tamilisch auf mich einredet dabei zeigt er mir einem großen Rochen, den er in der Hand hält. Zahnlos grinst er mich an. „Hello Sir“ und torkelte weiter. Heftiger Regen! Ich setze mich auf eine schmale Treppenstufe. Wenigstens habe ich etwas Ruhe zum Zeichnen. Dann begann das alte Spiel und die Kinder umzingelten mich erneut. Parallel halten zwei Motorradfahren an und bitte mich um ein Selfie mit mir an. Dann die selbe Gruppe von Jugendliche, wie am Vormittag. Als ob auch das nicht genug wäre kommen mich die Jugendliche ebenfalls besuchen. Allen Ansturm widerstanden finde ich einen kurzen Zeitraum der Konzentration bis die Moskitos mich endgültig vertreiben.

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