Über Thanjavur nach Trichy

Mit dem Verhandeln haben wir den Bogen noch nicht so raus. In Tranquebar wurden die Dinge von Tag zu Tag billiger auch ungefragt. Das wir mal wieder mehr als nötig bezahlt haben, merken wir spätestens dann, wenn wir etwas dazubekommen. Die Obstverkäuferin steckt uns meist extra noch ’nen Apfel in den Beutel.

Auf dem Weg nach Thanjavur gab es mit dem Bus nach Mayiladuthurai (diese Ortsnamen!) Probleme und wir mussten auf eine Rikscha zurückgreifen bis zum dortigen Busbahnhof. Der Fahrer schlug 600 Rupien vor, die wir anstandslos akzeptierten. Daraufhin gab es eine für uns undurchsichtige Diskussion zwischen 7 oder 8 Rikschafahrern. In deren Ergebnis fuhr uns jemand anderes – warum auch immer. Diesmal haben wir zu dem Fahrpreis noch eine ältere Dame dazubekommen.

In Mayiladuthurai sind wir dummerweise in den Bummelbus gestiegen und waren für 90 Kilometer am Ende 5 Stunden unterwegs. Die Tempelanlagen in Thanjavur entschädigen für alles.

Die Religionsausübung ist übrigens sehr spannend und hat streckenweise etwas sehr archaisches mit Blumenkränzen, Öllämpchen, Brandopfern und Opfergaben. Wir sind trotz oder gerade wegen unserem Atheismus immer ein bisschen sensibel und rennen nicht zu jedem Heiligtum an die vorderste Front. Es kommt uns eben auch recht privat vor.

Was mir jedoch etwas schleierhaft bleibt ist die innere Nutzung der riesigen Aufbauten. In eine Anlage, wo wir quasi einen ganzen Palast vermuten, trotteln wir den anderen Besuchern einfach hinterher. Schnell verengt sich der Gang, ok, es gibt jetzt auch kein Zurück mehr. Bald wird klar, wir landen gleich vor irgendeinem Altar. Was machen die Natives? Aha, sie zücken Geld – wir also auch. Vorne angelangt darf man sich einen Punkt auf die Stirn machen und kriegt ’ne Tüte heilige Asche. Alles klar! Aber was machen die in den ganzen Etagen darüber???

Mir fällt hier übrigens auf, daß die Formensprache teilweise ans Asiatisch-Chinesische erinnert. Es soll kulturgeschichtlich jedoch andersherum sein: Die Inder ham’s erfunden und die Chinesen ham’s kopiert. Ich lasse diese Info mal so stehen.

Gegen den Verkehr hier war Chennai regelrecht entspannend. Wir residieren allerdings auch am alten Busbahnhof und hier muss irgendwie jeder lang. Tagsüber geht’s ja noch, aber morgens und abends stapeln sich die Leute. Auf der Kreuzung regelt neben der Ampel noch ein Polizist den Verkehr. Man kann nur hoffen, der Mann kriegt Gefahrenzulage.

Wir sind morgens jedenfalls nicht dazu in der Lage uns im Gedränge in den richtigen Bus vorzukämpfen und fahren per Tuck-Tuck erstmal zum neuen Busbahnhof und von dort aus weiter nach Tiruchirappalli, liebevoll kurz Trichy genannt. Hier begreifen wir dann auch endlich, daß es sogenannte 1 to 1 Busse gibt, die direkt durchfahren.

In Trichy besuchen wir als erstes die (zu mindest angeblich) größte Tempelanlage ganz Indiens, vielleicht auch nur Tamil Nadus. Aber in der Tat, die Anlage ist riesig. Es gibt 7 Tore und Mauern und dreieinhalb Ringanlagen. Es lohnt sich die Sri Ranganatha Tempelanlage bei Google Earth von oben zu betrachten.

Außerdem hat man offensichtlich ein entspanntes Verhältnis zum Kommerz, alles gepflastert mit Händlern.

Wir leisten uns hier auch einen Führer um ein bisschen Details zu erfahren. Teile des Tempels sind aus dem 14. bzw. 16. Jahrhundert. Das gigantomanische ersteTor wurde jedoch in den 1980-ern fertig gestellt. Hey Leute, ich wechsel das Land, hier wird man als Künstler noch gebraucht!

Seltsame Anekdoten gibt es auch wieder. Aus heiterem Himmel schmeißt sich uns ein Paar um die 30 vor die Füße. Ich denke “ Selfie ist ja ok, aber das geht jetzt echt zu weit“. Unser Führer klärt uns auf. Kinderlose Paare absolvieren hier einen Parkurs und bitten alle Paare, die älter sind auf die Weise um Kindersegen. Ok, wenn das so ist, lassen wir uns schnell einführen in das ganze Ritual. (Aber so ganz die Richtigen sind wir nicht für das Thema.)

Nach dem Mittagessen wollen wir dann noch da hoch:

Nur irgendwas um die 300 Stufen. Unser Rikshafahrer erweist sich als extrem sportiv und turnt vor… Dabei ist das nur ein dünnes Männel.

In Trichy gibt es tatsächlich auch an verschiedenen Stellen in den Tempeln Schilder: „Hindus only“. Unser Fahrer ist sehr um unser Seelenheil bemüht und zeigt uns, was wir wie und wo im Kreis umrunden müssen und er schleppt uns dann vor den Priester, der uns nach kurzer Diskussion mit dem Männl ordnungsgemäß segnet, Hindu hin oder her.

Auf dem Weg durch Trichy mit dem Bus finde ich raus, dass der Busfahrer 2 Huptöne hat, die er unterschiedlich bespielt. Das ist also kein wahlloses Georgel, sondern Hupcode.

Thomas findet den Verkehr noch schlimmer als in Thanjavur, aber für meine Wahrnehmungsschwelle scheint das Maximum schon erreicht. Ich kann da keine Steigerung mehr feststellen. Auf dem Rückweg irren wir in Mayiladuthurai etwas ratlos von Busbahnhof 1 zu Busbahnhof 2. Bei dieser Gelegenheit ergibt sich noch folgendes schöne Bild.

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