Halle – Tharangambadi

Die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt vergibt 2019 zum ersten Mal in Kooperation mit den Franckeschen Stiftungen in Halle und dem Ziegenbalghaus Tharangambadi ein internationales Arbeitsstipendium für einen sechswöchigen Aufenthalt in Südindien. Die Künstler Christine Bergmann und  Stefan Schwarzer sind im September und Oktober zu Gast im Ziegenbalghaus in Tharangambadi. Auf diesem Blog dokumentieren die halleschen Künstler ihre Reiseimpressionen.

Über das Stipendium

Die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt vergibt 2019 zum ersten Mal in Kooperation mit den Franckeschen Stiftungen in Halle und dem Ziegenbalghaus Tharangambadi ein internationales Arbeitsstipendium für einen sechswöchigen Aufenthalt in Südindien. Die Künstler Stefan Schwarzer und Christine Bergmann sind im September und Oktober zu Gast im Ziegenbalghaus in Tharangambadi.

Tharangambadi, die Stadt der singenden Wellen, vor den Ufern des Bengalischen Golfes, an der Ostküste Südindiens ist auch heute noch unter seinem europäischen Namen Tranquebar bekannt. Es war seit dem frühen 17. Jahrhundert ein Handelsstützpunkt. Das Leben am und mit dem Meer strahlt heute, wie schon vor dreihundert Jahren, eine besondere Faszination aus. Die reiche Geschichte des kleinen Ortes und die Meereslage locken zahlreiche regionale, überregionale und internationale Touristen an den Strand und in die Hotels. Bartholomäus Ziegenbalg (1682–1719), ein Schüler August Hermann Franckes (1663–1727), der weltweit erste lutherische Missionar, war fasziniert von der Vielfalt und Historizität der tamilischen Kultur. Gemeinsam mit seinem Kollegen Heinrich Plütschau (1667–1752) erreichte er die Küste von Tranquebar am 9. Juli 1706. In einer Bibliothek sammelte er tamilische Literatur ungeachtet religiöser Inhalte. In Briefen tauschte er sich mit lokalen Gelehrten aus, diskutierte und stritt mit ihnen, stellte Fragen zu religiösen Lehren und Bräuchen, landesüblichen Traditionen, über Landwirtschaft und zur Ernährung. Mit der detaillierten Erforschung der tamilischen Sprache ist er auch heute noch – über christliche Kreise hinaus –als Kulturvermittler und Initiator eines interkulturellen Dialogs anerkannt. Seine Erkenntnisse schickte er, detailreich dokumentiert, in Form von Briefen, Palmblättern und Sammlungsobjekten nach Europa. Ein beachtlicher Teil dieser Originalzeugnisse ist in den Archiven der Franckeschen Stiftungen zu Halle erhalten und systematisch verfügbar gemacht.

In dem originalen Wohnhaus Ziegenbalgs ist in Tharangambadi ein Museum für den interkulturellen Dialog zwischen Indien und Europa entstanden, der vor über 300 Jahren seinen Anfang nahm. Bartholomäus Ziegenbalg und seine Frau Maria Dorothea nutzten das Grundstück für persönliche Zwecke, bevor es 1731 in den Besitz der Dänisch-Halleschen Mission überführt wurde und Teil eines umfangreichen Missions- und Bildungscampus‘ wurde. Daraus entstanden die Ziegenbalgschen Plätze, auf denen auch heute noch neben dem Museum, eine Schule unter lutherischer Trägerschaft betrieben wird. Das Museum ist seit dem 15. Juli 2017 für eine breite Besucherschaft geöffnet.

Mit der abgeschlossenen Restaurierung dieses Gebäudes, 2017, wurde ein historischer Erinnerungsort geschaffen, der die Geschichte des interkulturellen Dialogs erzählt und in einer modernen Dauerausstellung für ein breites Publikum aufbereitet.

Die Künstler Stefan Schwarzer und Christine Bergmann sind eingeladen, die verschiedenen Aspekte indischer Kultur und Gesellschaft zu erleben. Der Aufenthalt soll Anreiz und Inspiration sein und die Möglichkeit bieten, neue Ideen zu erarbeiten, Kontakte zu knüpfen und ein Projekt zu realisieren. Ein weiterer Schwerpunkt ist ein Kunstvermittlungsworkshop, in denen die Künstler in Interaktion mit Kindern und Jugendlichen treten.

Auf diesem Blog dokumentieren die halleschen Künstler Christine Bergmann und Stefan Schwarzer ihre Reiseimpressionen.

Blog

Tagebucheintrag, Samstag 26.10.2019

Geschützt unter meinem roten Regenschirm bin auf der Suche nach einem trocknen Platz zum zeichnen. In der Goldsmith Street ist auch nichts zu finden. An einer Uferstraße laufe entlang des tosenden Meeres. Dabei entdecke ich einen kleinen Hindu Tempel. Durch den verschlossenen Zaun sehe ich auf die bunt bemalten lebensgroße Götterfiguren. Ich setze mein Weg …