Tagebucheintrag, Dienstag 29.10.2019

Booom! Aus großer Entfernung sehe ich eine Meute von Makaken-Affen vor einer Feuerwerkskörper werfenden Frau vom Gelände der TELC – Secondary School flüchten.
Minuten später stehe ich vor dem Hindu Tempel. Der intensive Regen in der Nacht hat den Platz davor in einen See verwandelt. Am äußersten Rand finde ich eine Stelle um vorbeizulaufen. Danach entdecke ich in einer kleinen Seitenstraße spannende Häuser zum Zeichnen. Jetzt brauche ich nur noch Schatten! Wieder balanciere ich mich artistisch an einer großen Pfützen vorbei. Plötzlich spricht mich ein Mann an. Vermutlich kennt er mich und meine Projekt, denn freundlich fordert er mich auf sein Haus zu zeichnen und preist mir sein Gebäude an.
Während ich meine Buntstifte für ihren Einsatz vorbereite wird die Nachbarschaft auf mich aufmerksam. Neugierig stehen die Passanten um mich herum und kommentieren bereits die ersten Striche der entstehenden Zeichnung. Auf diesen Weg lerne ich schnell die Bewohner des Haus, welche ich gerade zeichne, kennen. Es stellen sich die Großmutter, Großvater, Vater und der Sohn vor. Ihr Wohnhaus scheint erst kürzlich neugebaut zu sein. Davor befinden sich große Fischernetze zu trocknen ausgelegt. In der Straße scheinen viele Fischer zu leben den neben mir bildet sich mit der Zeit eine kleine Gruppen von ihnen. Lautstark und gestenreich unterhaltenen sich die Männer, immer wieder abgelenkt ist nicht einfach die Konzentration zu behalten. Währenddessen verfinstert sich der Himmel zunehmend.
Begeistert fertigt der Sohn bei Nieselregen Fotos von meiner fertigen Zeichnung mit seinem Smartphone Fotos an. Als ich dann eilig meine Zeichnung wird einpacke bietet mir der junge Mann spontan an mich mit seinem Motorrad zurück zu fahren. In Windeseile fahren wir davon. Ich bedanke mich vielmals und verspreche wieder zu kommen und ihm ein Kopie zu schenken.

Mehrere Wolkenbrüche später suche ich im Eiltempo bei dunkelgrauen, wolkenverhangenen Himmel einen Unterstand für die Anfertigung meiner nächsten Zeichnung. Jetzt keine Experimente! Es geht um schnelle Entscheidungen! In der Mosque Street finde ich eine gute Stelle. Zehn Minuten später beginnt es wie aus allen Eimer zu Schütten und das alte Ziegeldach über mir ist nicht ganz Dicht. Von Minute zu Minute wird der Regen und Wind immer intensiver. Notgedrungen rücke ich in die hinterste Ecke meines Unterstandes. Die Straße vor mir verwandelt sich immer mehr in ein Bach Wie in Trance vergesse ich die Zeit in enormer Leichtigkeit entsteht die Zeichnung auf dem Papier. Ich erwache wieder, als Muezzin zum Mittagsgebet ruft. Bei leichten Nieselregen tauchen die ersten Gläubigen und laufen Richtung Moschee. Dann taucht fast klassisch für Indien eine mächtige Kuh vor mir auf, um das Frische Gras in der Nähe von mir zu fressen.

Bei anhaltenden Regen warte ich auf Vinoth im „Ganesh Coffees und Teestall“. Als er kommt laufen wir, den Pfützen ausweichend weiter zur Marktstraße.
Im ersten Stock angekommen ziehen wir die Schuhe aus und stehen in einem Fotostudio. Der Fotograf ist gerade damit beschäftigt Passbilder von einem Kind anzufertigen.
Der Mann im Alter von Mitte 50 Jahren begrüßt uns. Er freut sich sehr über das Geschenk der Zeichnung. Erzählt, dass er die letzten 20 Jahre lang Soldat in der indische Armee war. Jetzt ist er Fotograf. Ein angenehmes Gespräch. Danach haben wir Pech. Die nächsten beiden Häuser gehören zu Muslimen. Diese müssen leider um 18 Uhr zum Gebet. Bei Pfarrer Samson haben wir auch kein Glück. Im Regen laufe ich nach Hause.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.